Das digitale Versuchsprotokoll – Update

Die zentrale Idee des digitalen Versuchsprotokolls besteht darin, das klassische analoge Versuchsprotokoll in eine digitale Version zu überführen. Dabei ergeben sich entscheidende Vorteile aus der Kollaboration innerhalb der Schülergruppe, sowie durch die Einbindung von Fotos und einem Video der Versuchsdurchführung.

Ich beschreibe das Verfahren im Folgenden anhand eines Versuchsprotokolls aus dem Chemieunterricht, das sich aber problemlos an alle anderen zu protokollierenden Situationen anpassen lässt.

Bereits vor über einem Jahr habe ich die Idee des digitalen Versuchsprotokolls erstmalig hier beschrieben. Damals habe ich mit meinen SuS schwerpunktmäßig mit Explain Everything und der HPI Schul-Cloud gearbeitet. 

Da wir als Schule der Schulstiftung Osnabrück im Unterricht auch mit dem MS-Office-Paket arbeiten dürfen, haben wir schulintern die Arbeit mit Teams und OneNote intensiviert und vor dem Ziel des Einsatzes einheitlicher Methoden habe ich daher auch das digitale Versuchsprotokoll für die kollaborative Nutzung im Rahmen des Kursnotizbuches angepasst!

Diese Methode ist aber letztlich nicht an bestimmte Tools gebunden, mit GoogleDocs lässt sich das digitale Versuchsprotokoll ebenso erfolgreich umsetzen wie beispielsweise auch mit einem Padlet und sonstigen kollaborativen Tools wie z. B. Pages, BookCreator …

In Chemie erstelle ich für jede Klasse ein Kursnotizbuch, das sich typischerweise in drei zentrale Bereiche gliedert, den Platz für Zusammenarbeit (Collaboration Space), in dem alle Mitglieder des Teams Änderungen vornehmen können, die Inhaltbibliothek in der die SchülerInnen nur Inhalte einsehen und diese Seiten kopieren, nicht aber verändern können und den Bereich der Schülernotizbücher, in dem jede SchülerIn nur ihr eigenes Notizbuch nutzen kann, der Lehrer jedoch Zugriff auf alle Kursnotizbücher des Teams hat.

Die Schüler erhalten im Unterricht nach der erfolgreichen Einrichtung des Kursnotizbuches eine Einführung zu Sinn und Zweck der Protokollierung von Versuchen, sowie dem Aufbau eines Protokolls nebst einer allgemeinen Vorlage für die Erstellung digitaler Protokolle, die ich in der Inhaltsbibliothek des OneNote-Kursnotizbuches ablege.

Diese Vorlage erfüllt neben der Information über die inhaltlichen Aspekte vor allem technisch eine entscheidende Funktion!
Wird in einer Gruppe analog-kollaborativ gearbeitet, indem beispielswiese zur Erstellung einer MindMap ein Blatt Papier in die Mitte gelegt wird, so käme niemand auf die Idee, an exakt der gleichen Stelle einen Stift ansetzen zu wollen, an der bereits ein Mitschüler etwas schreibt – wenn doch, dann kommt es logischerweise zu Problemen! 
Diese Probleme tauchen bei digital-kollaborativen Arbeitsprozessen häufiger auf, da die Mitglieder einer Gruppe i.d.R. jeweils am eigenen Endgerät arbeiten, also nicht direkt sehen, an welcher Stelle eines gemeinsamen Dokumentes die anderen „den Stift ansetzen“. Dies ist eine häufige Ursache der ungeliebten „Syncronisationsprobleme“, die so manchen Versuch kollaborativer Arbeit scheitern lassen. Dies lässt sich jedoch umgehen, wenn zuvor abgesprochen wird, wer in welchem Bereich des Dokumentes arbeitet – dies erreichen wir mit der Einigung auf die Vorlage, die Aufgaben werden entsprechend innerhalb der Experimentiergruppe zuvor aufgeteilt!

Beim klassischen chemischen Experiment arbeiten (bei mir) je maximal vier Personen in einer Tischgruppe bzw. an einem Schülerabzug zusammen. Mindestens ein Gruppenmitglied ist während der Durchführung für die Dokumentation verantwortlich, dazu gehören die Fotos sowie ein auf die wesentliche Versuchsphase reduziertes (also ansprechend nachbearbeitetes/ gekürztes) Video.

Dies geschieht im „Collaboration Space“ aka „Platz zur Zusammenarbeit“. Dort richte ich zu Schuljahresbeginn acht Abschnitte A-H ein. Jeder Abschnitt steht für den virtuellen Arbeitsplatz der Tischgruppe.

Die für jedes Experiment notwendigen Vorgaben (Geräte, Chemikalien, Versuchsbeschreibung, ggfs. Hinweise zur Sicherheit und Entsorgung) trage ich meist vorab in die leere Versuchsvorlage ein, die ich dann anschließend je nach Aufgabenstellung auf die Tischgruppen oder auch in die Notizbücher der SuS verteile. Natürlich können hier auch die SchülerInnen die Versuchsbeschreibung von einem Arbeitsblatt oder aus dem Schulbuch übernehmen.

Methodisch werden die klassischen Aspekte des Protokolls beibehalten, was ersetzt wird ist die Versuchsskizze. Wenngleich dieser Punkt manch großes Kunstwerk entstehen ließ und ich seinen didaktische Sinn nicht infrage stellen möchte, sind doch die meisten Skizzen aus Schülerhand eher fragwürdiger Natur und ohne Beschriftung kaum erkennbar.

Die klassische beschriftete Versuchsskizze wird durch ein beschriftetes Foto des Versuchsaufbaus vor Versuchsbeginn ersetzt. Weiterhin werden die Beobachtungen ergänzt um Fotos der Ausgangsstoffe und der Produkte sowie zentral um ein Video der Versuchsdurchführung.

Das Video besitzt mannigfaltige Vorteile. Während wir früher darauf angewiesen waren in der Auswertungsphase mündliche geschilderte Beobachtungen zu sammeln, in der Hoffnung auf ein paar Brauchbare, können nun einzelne Gruppenvideos betrachtet, verglichen und besprochen werden. Die entscheidenden Beobachtungen werden so der gesamten Klassen wiederholt vor Augen geführt, einzelne Schüler, die im rechten Moment nicht zugeschaut haben oder auch Versuchsgruppen deren Versuch misslang, sehen so erfolgreiche Durchführungen und können aktiv an der Auswertung teilhaben.

Weiterhin besitzt das Video eine hohe Anschaulichkeit, die jederzeit (etwa bei der späteren Vorbereitung auf Leistungsüberprüfungen) vom Schüler wieder abgerufen werden kann. Fotos der Ausgangsstoffe und der Produkte unterstützen die Analyse der Beobachtungen sowie deren spätere Nachvollziehbarkeit auch durch ggfs. abwesende Mitschüler.

Nachdem die Schüler nun in der Auswertungsphase gruppenweise kollaborativ ein Versuchsprotokoll erstellt haben, werden in einer ersten Sicherungsphase ein oder mehrere Videos im Plenum angesehen, Beobachtungen und die Versuchsdeutung werden verglichen bzw. gemeinsam erarbeitet.

Die Schüler sind je nach unterrichtlichem Kontext angehalten, ihr eigenes Protokoll ergänzend zu überarbeiten, oder wir deklarieren am Ende der Besprechung ein gemeinsames Protokoll als mustergültig, welches dann in die Inhaltsbibliothek kopiert wird. Eisensulfid  Alkalimetalle

Als Lehrer habe ich durch die Arbeit mit dem OneNote-Kursnotizbuch zudem die Möglichkeit die Protokolle im Nachgang zu überprüfen und ggfs. zu kommentieren, ebenso kann ich mir nach der Durchführung die Ergebnisse ansehen und ggfs. vorab überlegen, welche Gruppe beispielsweise ihre Ergebnisse präsentieren soll … die Option schon während des Entstehens der Protokolle oder auch nach Unterrichtende alle Protokolle einsehen zu können erweitert meinen pädagogischen Handlungsrahmen enorm! 

Zum Teilen: Vorlage für das Versuchsprotokoll als Google Doc

Spurensuche in Meppen

Ziel dieser Einheit in Erdkunde in Jg. 8 ist es, gemeinsam mit der Klasse eine interaktive Karte Meppens zu erstellen, die Auskünfte gibt über die Spuren früherer stadtgeschichtlicher Epochen.

Zunächst beschreibe ich die durchgeführte Unterrichtsreihe, bevor ich noch auf die (technischen) Voraussetzungen und Bewertungskriterien eingehe.

Ich habe die Idee der Spurensuche bereits vor knapp drei Jahren erstmalig umgesetzt (Bericht von 2017), in diesem Jahr konnte ich das Projekt erneut, diesmal gleich mit drei Parallelklassen durchführen. Inzwischen arbeiteten die Kinder mit eigenen Tablets, was die Bedingungen für dieses Projekt gegenüber der früheren Arbeit mit Smartphones und Computerraum noch einmal verändert hat.

„Spurensuche in Meppen“ weiterlesen

Viele hilfreiche Tipps und Ideen zu iPadOS …

bei der Lerntheke/ Ideenwolke.

… so der Titel eines Website, die vom Kollegen Philipp Straubing aus BaWü zusammengetragen wurde. Dort finden sich für die iPad-Fraktion zahlreiche Selbstlernstationen und Tutorials, nicht nur zum neuen Betriebssystem „iPadOS“!

Themen dort u.a.:

grundlegende Bedienung

erweiterte Bedienung

Tipps für den Unterricht/ das Tafelbild mit dem iPad

Als eine Erfahrung aus unseren Fortbildungen zum Office-Paket am Schuljahresanfang möchte ich noch einen „Trick“ weitergeben, den ich bei der Erstellung von „Tafelbildern“ am iPad (wie nennt man das eigentlich in der Post-Tafel-Ära? Whiteboardbild, Beamerbild, Schülerorientierteunterrichtsinhaltsprojektion …?) nutze, um ein TB für die SuS zu projizieren und zeitgleich meine digitalen Notizen zur Unterrichtsvorbereitung ansehen zu können.

Seit ich mit dem iPad arbeite (inzwischen schon über 6 Jahre!) ist Explain Everything (EE) zu meiner persönlichen eierlegenden Wollmilchsau mutiert!

Nun erstelle ich seit letztem Halbjahr intensiver mit Schülern gemeinsam Kursnotizbücher mit OneNote. Die App gefällt mir aber für die Erstellung von Tafelbildern nicht sonderlich gut, nach wenigen unbefriedigenden Versuchen bin ich schnell zurück zu EE, es fehlten mir die zahlreichen Gestaltungsoptionen, die ich bei EE zu Schätzen gelernt habe, vor allem aber mein persönliches Muss: Ich benötige während des Unterrichtes auch nach inzwischen 20 Dienstjahren, während ich mit SuS arbeite oder ein Tafelbild erstelle, meine Notizen zur Unterrichtsvorbereitung. Früher hatte ich diese klassisch auf Papier notiert, diese Blätter wandern aber zunehmend und konsequent inhaltlich in meine OneNote-Notizbücher und physisch ins Altpapier.
Das Problem dabei, während ich auf dem iPad das Tafelbild erstelle, möchte ich gleichzeitig meine Notizen ansehen können, ohne dass diese an die Wand projiziert werden und ohne diese dafür ausdrucken zu müssen oder ein zweites Tablet dabeihaben zu müssen (wobei ich zugegebenermassen auch letztere Option manchmal einsetzte :-)).

iPad mit Splitscreen (unten) und Projektion (oben) – Erklärvideo dazu

Der „Trick“ dabei ist nun die Tatsache, dass Apps wie Fotos, YouTube und eben auch EE, (ev. auch Goodnotes?) bei der Übertragung an externe Bildschirme nicht das Display spiegeln sondern den Inhalt auf dem externen Monitor wiedergeben. Da dies auch funktioniert, wenn die App im SplitScreen betrieben wird, rufe ich also zunächst EE auf, dies wird an den Beamer übertragen (In den Einstellungen kann bei EE eingestellt werden, ob der Inhalt an einen zweiten Bildschirm gestreamt oder der Monitor gespiegelt werden soll). OneNote starte ich dann im zweiten Fenster des Splitscreen, das nicht übertragen wird und kann dort also meine vorbereiteten Notizen aufrufen oder auch mal während des Unterrichtes Noten im TeacherTool verwalten, Mailen, Twittern, … 🙂

Möchte ich den SuS anschließend mein Tafelbild in OneNote zur Verfügung stellen, geschieht dies mit wenigen Klicks per Teilen (siehe Video!) –> Dokument –> OneNote (dort wähle ich noch den passenden Abschnitt aus) –> Senden. Im ausgewählten Abschnitt erscheint nun eine neue Seite mit dem Titel meines TB aus EE, das dort als pdf liegt. Der Anschaulichkeit halber füge ich die Datei dann noch als Ausdruck ein und … fertig!

Schüler als Scouts in der digitalen Transformation

Tablet-Scouts? Scouts sind im englischsprachigen Raum Pfadfinder/ Kundschafter – also Menschen, die sich auf unerforschtem Terrain zurechtfinden und den Weg weisen können. 

Unsere Tablet-Scouts fungieren als Vermittler im Rahmen der digitalen Transformation von Schule – als Pfadfinder, aber auch als Influencer!

Die Grundidee für die Tablet-Scouts bestand zunächst darin, unsere Schüler auf ihrem Weg mit den digitalen Lernbegleitern zu unterstützen, die am Marianum im Jg. 7 eingeführt werden.

Bei der Einführung der Lernbegleiter unterstützen die Scouts bei der Ersteinrichtung der Tablets oder einzelner Apps. Sie gehen auch in die Klassen und geben kurze Einweisungen, beispielsweise zur Arbeit mit bestimmten Apps, zur Datensicherung etc., außerdem verfassen sie Anleitungen, die sie unter schueler.marianum-digital.de zur Verfügung stellen, probieren neue Wege in der Nutzung, tüfteln in Spezialfällen gangbare Workarounds aus und stehen regelmäßig jeden Dienstag in der 1. großen Pause als Ansprechpartner in der Mediathek zur Verfügung. Dorthin kann kommen, wer aktuelle Fragen zu, oder Probleme mit seinem Tablet hat, ganz egal ob Schüler, Lehrer oder sonstiger Mitarbeiter! 

Doch die Aufgaben der Tablet-Scouts, die im Rahmen einer AG seit dem Schuljahr 17/18 bei uns aktiv sind, haben sich im Laufe der Zeit erweitert. Neben der Schulung der Mitschüler haben sie inzwischen auch schon erfolgreich Workshops für das Kollegium angeboten. Fast schon regelmäßig zweimal jährlich nimmt die AG im Rahmen unserer Aktivität beim Projekt der HPI-Schul-Cloud an Design-Thinking-Workshops am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam teil, bei denen sie Einfluß nehmen auf wesentliche Funktionsweisen und neue Tools, die innerhalb der Schul-Cloud zur Anwendung kommen.

Als schulinterne „Influencer“ testen sie in eigenständigen Projekten neue Wege der schulischen Arbeit mit digitalen Medien. Zur Zeit etwa beschäftigen wir uns mit der Erstellung eines virtuellen Schulrundgangs auf der Basis von 360°-Aufnahmen, die mit Hilfe einer uns kostenlos zur Verfügung gestellten webbasierten Anwendung (holobuilder.com) zu einem Rundgang zusammengestellt werden können.

Als Tablet-Scout kann ab Klasse 8 aktiv werden, wer sich selbst mit seinem Tablet gut auskennt und Spaß daran hat, seine Mitschüler dabei zu unterstützen. Die Scouts sind eine Arbeitsgemeinschaft (AG), die auf den Zeugnissen entsprechend vermerkt wird und für die MINT-Zertifikate Berücksichtigung findet.

Tablet-Scouts besuchen das HPI in Potsdam